Cart 0

blog

apünktchen und alpacita

ein Projekt in Peru

 

Inzwischen findet sich Alpakita auch bei den Kollektionen des Kölner Labels „apünktchen. Anette Grundmann, die Inhaberin und Designerin von apünktchen, ist von der Qualität unserer Alpaka-Cotton-Linie so begeistert, dass sie unsere Frauen mit ihrer eigenen Kollektion beauftragt hat.

 

Das hilft den peruanischen Frauen. 

Uns - den Männern, Frauen und Kindern in Deutschland, die täglich die kuscheligen und kleidsamen Stricksachen von Alpakita anziehen, beschert es Wohlbehagen und das gute Gefühl, ein bisschen mehr Qualität und Nachhaltigkeit in unserem Leben zu genießen.

 

Meine letzte Reise nach Peru zu den Strickfrauen liegt ein Jahr zurück. Ich denke gerne an die Frauen, die Tag für Tag für Alpakita stricken. Wir sind fast täglich im Kontakt, so dass ich die Zeit vergesse und es immer wieder aufschiebe, darüber zu berichten.

Am Beginn unseres Projektes waren drei Frauen dabei: Illia, Esther und Victoria. Nach sechs Jahren waren es dann schon zehn Frauen, heute sind es 57! 40 von ihnen stammen aus verschiedenen Dörfern und stricken für die neue Kinder-Kollektion. In der Hauptstadt Lima arbeiten dreizehn Frauen, die vor allem für die Erwachsenen-Kollektion verantwortlich sind. Vier Männer sind außerdem für die Maschinenpullis, Jacken und Decken zuständig.

Ich lernte auf einer meiner Urlaubsreisen nach Peru den industriell verfeinerten Stoff kennen. Eine Ironie eigentlich. In Peru kann ein durchschnittlich verdienender Mensch die edle Wolle nicht kaufen; die Alpakawolle wird ausschließlich für den Export verwendet. Als ich noch in Peru lebte, habe ich nur die bunte Alpakamischung aus den Indiomärtkten gekauft.

Während meines letzten Peru-Urlaubs während der Sommerferien im vergangenen Jahr habe ich viel Zeit damit verbracht, mit den Frauen an den kleinen Details zu arbeiten: am Einhalten der Masstabellen beispielsweise oder an der Art und Weise, wie Knopflöcher genäht werden sollten. Nicht immer gelingt es den Frauen, diese Anforderungen sofort und mit der nötigen Perfektion zu erfüllen.

Einer der Gründe dafür ist sicherlich, dass die Arbeit mit den peruanischen Strickfrauen und -männern eine aus europäischer Sicht eine besondere Herausforderung darstellt: Es fehlt an professionellem Management, Marketing und Geräten. Die meisten Frauen leben in kleinen Dörfern. Viele von ihnen müssen weite Fußwege bis zu ihrem Arbeitsplatz bewältigen, manchmal bis zu zwei Stunden täglich. Eine Koordinatorin unterstützt sie bei ihrer Arbeit. Alle 15 Tage treffen sich die Frauen in einem Dorf, zeigen einander ihre Strickkünste und haben dabei die Möglichkeit für Verbesserungen und Änderungen. Sie müssen regelmäßig an die Einhaltung der Lieferfristen für die Kollektionen erinnert werden.

 

Ein Erlebnis während eines meiner Arbeitstreffen mit den Frauen hat mich kürzlich so beeindruckt, dass ich es mit Ihnen teilen möchte. Mit einer Stunde Verspätung betrat eine Bäuerin den Raum. Sie trug bunte Kleidung und Schläppchen und hielt eine alte Plastiktüte in der Hand. Zurückhaltend wartete sie auf die Koordinatorin, die gerade mit den anderen Frauen beschäftigt war. Ich hielt die Frau, der man ihre Armut ansehen konnte, für eine Bettlerin. Als die Koordinatorin sie erkannte, begrüßte sie sie und bat um Geduld. Als sie schließlich an der Reihe war, konnte ich kaum glauben, was meine Augen sahen. Die Frau nahm eine Strickjacke aus ihrer Tüte und fragte leise, ob sie gut gestrickt hätte. Siekönnen sich vielleicht vorstellen, dass ich in diesem Augenblick sehr stolz und glücklich war!

 

Ich habe wieder einmal erkannt, dass mein Einsatz für diese Frauen sich lohnt, auch wenn es immer wieder vorkommt, dass die Stricksachen manchmal nicht perfekt sind oder kleine Fehler aufweisen. An der Strickjacke der Bäuerin bemerkte ich tatsächlich einen Fehler. Schweren Herzens wies ich darauf hin, denn die Frauen lernen nur dann aus ihren Fehlern, wenn man sie ihnen genau erklärt. Viele von ihnen können nicht lesen, Briefe würden also nicht helfen. Als die Koordinatorin der Frau sagte, dass die Maße nicht stimmten, zeigte diese den Zettel vor, den sie vor Wochen bekommen hatte. Er war so alt und zerknittert, dass man die Zahlen darauf nicht mehr erkennen konnte. Bitte vergessen Sie nicht, dass die Arbeitsbedingungen dieser peruanischen Frauen mit denen westlicher Frauen nicht zu vergleichen sind. Die Frauen arbeiten in der Regel tagsüber mit ihren Männern auf dem Feld, sie besitzen weder Handy noch Computer. Sie sind ganz und gar auf sich selbst aufgewiesen.

 

Nichtsdestotrotz bin ich glücklich, dass ich dieses Projekt ins Leben gerufen habe. Die Frauen werden gut bezahlt und sind mit dem Herzen dabei. Ich bekomme viel Anerkennung in Deutschland, und die Begeisterung für die wunderschönen Strickwaren wächst.

 

Judy de Langer

 

 

 

 

 apünktchen at playtime paris in july 2012

 

 

 

X