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PROGRESS

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Shannon, 50

Mit 20 nach meinem  liebsten Kleidungsstück befragt, hätte ich zweifellos mein schwarzes Billabong T-Shirt genannt. Es war so alt und ausgeblichen, wie feine graue Seide; mein meistgehegtestes Überbleibsel, üblicherweise kombiniert mit ebenso fadenscheinigen, abgeschnitten Levis

Dagegen war meine Mutter immer wunderschön angezogen. Sie  bevorzugte maßgeschneiderte, zeitlose Kleider aus hochwertigen Stoffen. Sie war eine sehr schöne Frau und legte vel Wert auf Klugheit und die Vermeidung von Klassenbewusstsein, um nicht nur ein hübsches Gesicht zu zeigen, sondern auch äußerste Eleganz.

Meine Abneigung gegen Mutter-Tochter Einkaufstouren begann früh. Ich schätze, daß mit einer so großartigen Mutter die Opposition eine natürliche Art der Selbstfindung war. So verwandelte ich mich vom burschikosen Kind und Teenager selbstverständlich geradewegs in eine anti-materialistische Aktivistin, die auf dem Universitätsgelände ihre Befreiung erlebte.

In all diesen akademischen Jahren und sogar in meinen frühen Dreißigern war mein „Stil“ die Abwesenheit von eben diesem. Ich kaufte nur selten Kleidung, und wenn ich das tat, musste sie aus rohen Naturfasern und -farben sein - ich sah aus wie ein Weizenfeld. Vielleicht habe ich versucht, unsichtbar oder zumindest getarnt zu sein.

Wenn es nötig war, lieh ich mir echte Klamotten von Mama - dieser Prozess verstörte sie geradezu, hungrig wie sie war, die arme Liebe,  nach solcher Art „gemeinsamer Mädchenzeit“. Sich von Zeit zu Zeit von ihr anziehen zu lassen, wurde zu einer erträglichen Pflicht, nicht zulettzt auch weil ich das Vergnügen spürte, das sie dabei hatte.

Der Beginn eines „richtigen Jobs“ bedeutete dann auch für mich, sich „angemessen“ zu kleiden, aber ich hatte ein Non-Profit-Budget, so dass ich anfing, Moms Abneigungen missbilligend zu akzeptieren. Jetzt trug ich elegante Seidenblusen und maßgeschneiderte Hosen. Im Laufe der Jahre und der verschiedenen Übergänge in Mutterschaft und  ins mittlere Alter entwickelte sich eine Zweiteilung meines Kleiderschranks: die schönen Kleider sind Mom‘s und die beigen Leinenkleider, die aussehen wie Kartoffelsäcke, gehören mir; die abgetragenen Jeans auch. Obwohl ich sehr dankbar bin, schöne Dinge zu haben, wenn die Gelegenheit dazu besteht, kann ich nie das Gefühl ablegen, mich in Mamas Klamotten verkleidet zu fühlen. dass ich vorgebe, ein Erwachsener zu sein.

Meine älteste Tochter ist dieses Jahr aufgeblüht. Sie bedient sich jetzt regelmäßig auf beiden Seiten meines Kleiderschranks. Ironischerweise höre ich mich selbst sie mit fast aggressiver Großzügigkeit dazu ermutern. Meine Stimme bekommt dann diesen schlecht zu vehelenden Klang mütterlicher Glückseligkeit. Denn trotz aller unklaren Absichten und Dynamiken, Identitätsdurcheinander und Egoismus sind diese Mutter-Tochter-Momente wirklich wunderbar.

At the age of twenty, if asked about my most cherished piece of clothing, I’d have invariably said my black Billabong t-shirt. So old and faded it seemed like fine grey silk, it was a cherished relic, usually coupled with some equally threadbare cut-off Levi’s.  

In contrast, my mother was always beautifully dressed.  She preferred tailored lines, choosing timeless pieces and rich fabrics.  A very beautiful woman, she took great care to project intelligence and class- avoiding being just a pretty face by being smashingly elegant.  

My resistance to mother-daughter shopping trips began early.  I suppose that faced with such a gorgeous mother, opposition was the obvious way of defining myself.  So a tomboyish child and teenager easily morphed into an anti-materialist activist once freed on the college campus.  So all those academic years and even into my early thirties, my “style” was really the absence of one.  I rarely bought clothes and when I did they had to be raw natural fibers and hues- I looked like a walking wheat field.  Perhaps I was trying to be invisible or at least camouflaged. 

When necessary, I borrowed real clothes from Mom- this process would make her quite giddy, starved as she was (the poor dear) for that kind of shared girl time.  Letting her dress-me-up from time to time became a bearable duty, seeing the pleasure that it gave her.

Finally landing a “real job” meant dressing the part, but I was on a non-profit budget, so I began begrudgingly accepting Mom’s hand-me-downs.  Now I was wearing elegant silk blouses and tailored pants.  Over the years, and the various transitions into motherhood and middle age, my closet remains bifurcated: the nice clothes are Mom’s and the beige linen dresses that look like potato sacks are mine; the well-worn jeans are too.  Although I am very grateful to have nice things when the occasion calls for it, I can never quite shake the feeling that I’m playing dress-up in mommy’s clothes; that I’m pretending to be an adult.  

My oldest daughter has blossomed this year.  She is now in both sides of my closet on a regular basis.  Ironically, I hear myself encouraging her with almost aggressive generosity.  My voice has that barely contained glee that I now recognize as maternal bliss. Because despite all the tangled intentions and dynamics, identity politics and egoism, these mother-daughter moments are indeed delicious.


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